Seit Mitte Juli 2026 haben 32 Gemeinden in den Provinzen Pontevedra und A Coruña Voralarm wegen Wasserknappheit. Einige haben die Strandduschen geschlossen, das Autowaschen verboten, die Gartenbewässerung eingeschränkt. Gleichzeitig brannte es — neun Großbrände, 800 Hektar bis Ende Juli, Tendenz steigend mit der Hitzeperiode. Das ist nicht Pech. Das ist ein Systemdefizit.
Alfonso Rueda, Präsident der Xunta de Galicia, hat den Befund selbst formuliert: Waldbrandprävention habe für seine Regierung „oberste Priorität", so der Pladiga, der galicische Präventions- und Verteidigungsplan, Stand Juni 2026. Für 2026 stellt die Xunta rund 214 Millionen Euro für die Brandsaison bereit — historischer Höchstbetrag, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Präventionsbudget allein wurde von 7,75 auf 15,5 Millionen Euro verdoppelt. Neu ist auch ein „Fondo de Garantía de Limpeza de Franxas", ein Garantiefonds für die Reinigung von Schutzstreifen, zunächst mit zehn Millionen Euro dotiert.
Das klingt nach Handeln. Die Lücke liegt woanders.
Wo der Schutz endet
Mehr als hundert galicische Gemeinden liegen in Risikogebieten und haben keinen Brandschutzplan. Die bestehenden Förderprogramme der Xunta für Kommunen — darunter eine Million Euro für Ausrüstungsanschaffungen mit bis zu 30.000 Euro pro Projekt — sind laufende Haushaltsprogramme mit normalen Bewilligungsfristen. Wer als kleiner Ayuntamiento im Juli 2026 seinen Hydranten aufrüsten oder eine Brandschneise anlegen will, wartet auf den regulären Bewilligungsbescheid. Die Feuer warten nicht.
Das strukturelle Problem ist bekannt: Die Gemeinden sind zuständig für die Löschwasserversorgung im Siedlungsbereich, die Xunta für den Wald. An der Grenze zwischen beidem — Ortsrand trifft Kiefernmonokultur — ist die Zuständigkeit unscharf und die Infrastruktur entsprechend lückenhaft. Ecologistas en Acción und die Plataforma por un Monte Galego con Futuro benennen dies seit Jahren: zu wenig Prävention, zu viel Krisenreaktion, fehlende Pläne in Dutzenden Risikogemeinden.
Der Zug
Rueda sollte per Dringlichkeitsdekret des Consello da Xunta — der galicischen Kabinettsrunde — Sofortmittel aus der regionalen Krisenreserve für einen zweckgebundenen Sonderfonds freigeben. Zielgruppe: alle Gemeinden, die in Risikogebieten liegen und entweder keinen Brandschutzplan haben oder deren Löschwasserinfrastruktur nach Katasterprüfung unzureichend ist. Mittel für zwei konkrete Maßnahmen: Ertüchtigung oder Neubau von Wasserzisternen und Hydranten im Siedlungsrandbereich sowie Anlage und Pflege von Brandschneisen an den Wald-Siedlungs-Grenzen.
Der erste Schritt ist eine außerordentliche Kabinettssitzung — die Consellería de Medio Rural, zuständig für Forst und Prävention, legt den Dekret-Entwurf vor, die Consellería de Facenda gibt den Krisenreservetitel frei. Das Instrument ist verfügbar: Das galicische Autonomiestatut und das regionale Katastrophenschutzrecht erlauben dem Präsidenten der Xunta Dringlichkeitsmaßnahmen bei akuter Katastrophengefahr ohne den regulären parlamentarischen Haushaltslauf.
Größenordnung: Die Xunta stellt bereits über eine Milliarde Euro für die gesamte Wassernetz-Modernisierung bis 2029 bereit — davon 59 Millionen Euro speziell für Wasserversorgungs- und Aufbereitungsanlagen. Ein Sonderfonds in der Größenordnung von 20 bis 30 Millionen Euro, direkt an Gemeinden in Risikolagen ausgekehrt, läge im Rahmen bereits laufender Investitionslinien und wäre aus der Krisenreserve ohne neue Verschuldung darstellbar. Die PSdeG-PSOE, die seit 2023 die Entsperrung eines blockierten Waldbrandbekämpfungsgesetzes fordert, würde einem solchen Dekret kaum sachlich widersprechen können — auch wenn sie es politisch einordnen wird.
Warum dieser Zug für Rueda der richtige ist
Das Argument für den Adressaten ist einfach: Er hat das Ziel bereits formuliert, der Weg dorthin fehlt. Ein Dringlichkeitsdekret schließt die Lücke zwischen dem, was die Xunta an allgemeinen Programmen auflegt, und dem, was Gemeinden in den nächsten Wochen tatsächlich abrufen können. Es ist keine Symbolhandlung — Zisternen, Hydranten und Brandschneisen sind physische Infrastruktur, die im Brandfall den Unterschied zwischen einem beherrschbaren und einem unkontrollierten Feuer ausmacht.
An den drei Achsen: Die Ökologie-Achse ist eindeutig positiv, denn Löschwasserinfrastruktur und Brandschneisen schützen sowohl Siedlungen als auch Waldflächen. Die Effizienz-Achse profitiert von schnellen direkten Transfers an Gemeinden statt langer Bewilligungsverfahren. Die Demokratie-Achse ist neutral bis positiv: Ein regionaler Dringlichkeitsbeschluss, der keine Rechte beschneidet, sondern kommunale Handlungsfähigkeit stärkt, greift keine der demokratischen Sicherungen an.
Der stärkste Einwand
Die Gegenposition lautet: Die Xunta investiert bereits historisch viel, und ein weiteres Dekret schafft Parallelstrukturen zu laufenden Programmen. Dieser Einwand trifft einen Punkt — es braucht keine neue Bürokratie, sondern beschleunigte Auszahlung. Die Antwort ist deshalb nicht ein eigenständiger Verwaltungsapparat, sondern ein einfacher Finanzierungstitel: Gemeinden mit Risikolage beantragen formlos, die Consellería de Medio Rural prüft binnen 14 Tagen nach Katasterlage, die Auszahlung erfolgt direkt. Das lässt sich per Dekret so formulieren — und es gibt keine laufenden Programme, die genau das leisten.
Ein zweiter Einwand kommt von Umweltschutzseite: Brandschneisen können, falsch angelegt, Erosion fördern und Lebensräume zerschneiden. Das ist sachlich richtig. Das Dekret sollte deshalb ausdrücklich auf zertifizierte Fachbetriebe und eine Kartierungspflicht setzen — die Schnittstellen zu naturschutzrechtlichen Vorgaben sind bekannt und lassen sich als Fördervoraussetzung formulieren, ohne die Maßnahme zu verzögern.
Prüfstein
- Adressat: Alfonso Rueda, Präsident der Xunta de Galicia
- Zug: Verabschiedung eines Dringlichkeitsdekrets im Consello da Xunta zur Freigabe von Sofortmitteln für gemeindliche Löschwasserinfrastruktur und Brandschneisen an Wald-Siedlungs-Grenzen
- Frist: 15.09.2026
- Prüfstein: Das Dringlichkeitsdekret ist im Diario Oficial de Galicia veröffentlicht, ja oder nein
